Mittwoch, 30. Januar 2013

Am seidenen Faden…


Madeira, den 30.01.13

 
Heute Morgen ging es auf an die Westküste der Insel. Erster Halt war Cabo Girão. Das ist in die zweithöchste Steilküste der Welt mit 580m Höhe. Leider haben die dort am Aussichtspunkt erst einmal 2 Busse mit Touristen abgeladen. Aber wie das bei so einer Kaffeefahrt ist, war bald wieder Aufsitzen angesagt. So hatten wir die riesige Aussichtsplattform für uns alleine. Das ist so ähnlich wie im Grand Canyon gemacht. Die Plattform ist durchsichtig, wahrscheinlich aus Glas und ragt ca. 10m in den Abgrund hinein. Und ich mit meiner Höhenangst.

580m über dem Meer




In Ponta do Sol gerade aus dem Tunnel kommend, hielt uns die Polizei an. Da wir aber pflichtbewusste Bürger sind, hatten wir alles an Bord und konnten alsbald weiter fahren. Nun ging es direkt an der Küste entlang. Riesige Wassermassen türmten sich und krachten in die Wellenbrecher. Was für ein Schauspiel.








Da wir ja morgen wieder nach Hause fahren und den Mietwagen leer abgeben können, wollten wir ja nicht zu viel Benzin im Tank lassen. Also beobachteten wir genau die Nadel. Bei 70km vor Schluss, dachten wir eigentlich tanken gehen zu können. Wer zum Teufel hat vergessen hier im Nordwesten Tankstellen zu bauen? Auf einmal verabschiedete sich die Anzeige gänzlich und die rote Lampe blickte ganz fürchterlich. Was nun? Wir hatten noch ca. 30km nach Porto Moniz, der nächsten größeren Ortschaft. Bloß gut befanden wir uns auf 800m und mussten „nur“ noch runter rollen. Unten angekommen fiel uns ein Stein vom Herzen – geschafft!


Unseren letzten Abend haben wir in Funchal, am Meer verbracht, und es uns nochmal richtig gut gehen lassen. Denn in unserer Villa war nachher packen angesagt. Unsere 10kg Früchte mussten ja gut verstaut werden. Maracujas wären auch noch toll gewesen, aber haben nirgends einen Strauch gefunden.










 Rückwirkend ein Fazit über die Insel:

  •          Verkehr: grauenvolle Verkehrsführung, Nervenstärke vorausgesetzt
  •          Preise: teilweise gleich bis teurer wie in Deutschland, Benzin etwas teurer
  •          Flora: bunt, Blumeninsel halt und reichhaltig an Früchten am Straßenrand
  •          Fauna: für Ornithologen vielleicht ganz gut geeignet, aber außer Hunden, Katzen und Geckos nichts zu finden
  •          Gastfreundlichkeit: sehr gut, fast jeder spricht englisch oder deutsch (hier sind fast alle Gäste eben aus              unserem Land)
  •          Raststätten: überall verstreut findet man Sitzbänke und Aussichtspunkte
  •         Versorgung: wenige große Supermärkte, viele kleine Geschäfte und Märkte, Quellwasser meist bei Kirchen zu      finden
  •          Essen: sehr Pommes lastig, fisch – und fleischreich, Suppen, Preise variabel, Salzstreuer nicht vergessen mit        zunehmen
  •          Bademöglichkeiten: eher weniger, da die Insel fast ausschließlich aus Steilküste besteht bzw. riesige Steine        an den Stränden liegen, wenige wirkliche Sandstrände, Wasser klar
  •          Reisezeit: Januar, perfekt zum Reisen, ca. 20 Grad, im Süden kein Niederschlag , im Norden wechselhaft
  •          Sicherheit: man kann sein Auto offen stehen lassen
  •          Reisedauer: 1 Woche vollkommen ausreichend, aber nur mit Mietwagen
unserer allmorgendlicher Frühstücksplatz


Bis zum nächsten Mal......


Dienstag, 29. Januar 2013

Das Paradies auf Erden....


Madeira, 29.01.13




Habt ihr schon mal Tomate und Schinken in der Hosentasche gehabt? Nein? Dann müsst ihr einfach gierig sein und im Hotel das Frühstücksbrötchen versuchen rauszuschmuggeln. Zu meiner Verteidigung: Ich war´s nicht !














Heute gings in Inselinnere. Hoch in die Berge. Wir haben eine kleine Wanderung auf den Pico Fanal (1225m) gemacht. Wahnsinn hoch über den Wolken zu stehen. Die Gegend war gesäumt von Lorbeerbäumen. Sehr idyllisch.




Pico Fanal


Durch unendliche Weiten ging es weiter Richtung Norden. Und heute war da wirklich sehr schönes Wetter. Nicht wie letztes Mal. Deswegen haben wir uns entschieden noch einen Teil von São Vicente Richtung Santana zu fahren.











Die Brandung toste an der Küste entlang. Überall fanden sich Surfer, die sich in die Wellen stürzten. Und andere wollten sich auch in die Wellen stürzen. Die Wassertemperatur hört sich ja mit 18 Grad sehr hoch an, aber es reicht die kleine Zehe rein zu stecken und es friert einen. Ich bin mal schön am Strand sitzen geblieben. Wir waren in einer abgelegene Bucht, die nur über einen Fuß weg, 500m bergab, erreichbar war. Niemand war da. Himmlische Ruhe und tosende Wellen des Atlantiks. 

unsere einsame Bucht





















Auf dem Rückweg sind wir ständig an Bäumen, die mit Früchten behangen waren, vorbei gekommen. Anstatt sich auf die Straße zu konzentrieren, hatte „Tarzan“ wie in Hypnose die Obstbäume im Visier. So kam es, dass wir ständig anhalten mussten. Es wurden riskante Abhänge hinab gestiegen und Mauern hochgeklettert. Ich habe schon darauf gewartet, bis die Sache mit dem Spital in Funchal wahr wird. Jetzt haben wir alles voll mit Bananen, Avocados, Orangen, Zitronen, Ananasbananen und Cherimoya. Und bloß gut niemand abgestürzt.




unsere Ernte




Heute Abend gabs von unserer Hausköchin zubereitet: lecker fangfrischen Fisch aus dem Meer, den typischen Honigkuchen (wo gar kein Honig drin ist sondern Rohrzuckersirup) von Madeira und selbstgemachte Zitronenlimonade. Irgendwie muss das viele Zeug ja weg.

Montag, 28. Januar 2013

Mit 500 PS über den Atlantik…


Madeira, 28.01.13

Hafen von Calheta



Heute gings los: die Tour aufs Meer. Als wir in den kleinen Fischerort Calheta kamen wurde unsere Euphorie aber gedämpft. Bei den letzen Ausfahrten wurde kein einziger Wal oder Delphin gesichtet. So und so befinden sich im Januar nur ein paar Große Tümmler und eventuell noch Pottwale um die Insel.









Um 11.30 Uhr ging die Fahrt mit einem Speed-Schlauchboot und 500 PS unterm Gummi raus auf den Atlantik. In der Gegend sollten sich anscheinend Schnabelwale befinden. Da diese aber extrem scheu sind, kein Blas in die Luft sprühen und sehr lange bzw. tief tauchen, haben wir vergebens gewartet bis einer auftauchte.



















Wenige Minuten später stießen wir auf eine kleine Schule Flecken-Delphinen. Das war wirklich Glück. Die haben die ganze Zeit unser Boot begleitet. Wenn wir stehen blieben, haben sie sich in Distanz gehalten und sobald der Motor wieder anging, kamen sie auf uns zu und sprangen am Bug hoch. Die sind ziemlich schnell und wendig, deshalb sehr schwer zu fotografieren. Ein Baby-Delphin machte andauernd Pirouetten im Wasser.




Nach 1,5h war der Spaß schon vorbei. Obwohl 2,5-3h zugesichert waren. Zurück gings im gemächlichen Tempo, da wir gegen die Wellen fahren mussten. Trotzdem waren wir nass von oben bis unten. Einen kurzen Abstecher machten wir noch zu den Surfer Wellen Nummer 1, der Insel. Die waren riesig hoch und brachen kurz vor dem Ufer.







Der Nachmittag war ganz entspannt, denn so eine Meerestour strengt komischerweise ziemlich an. Wir fuhren wieder zurück in Richtung Funchal. Diesmal an der Küste entlang. Das war eine Straße. Erst blockierten uns riesige, abgestürzte Felsbrocken und dann ein 15m hoher Wasserfall, der sich genau auf die Straße ergoss.








Jetzt war erst mal wieder bisschen Bummeln und Gucken angesagt. Im Madeira Shopping Center. Hosen haben wir heute, in weiser Voraussicht, nicht mehr anprobiert.














Nun sitzen wir in unserem Garten und irgendjemanden ist hier gerade ziemlich langweilig. Um Abhilfe zu schaffen, stellt man sich vor man kann wie Tarzan von Liane zu Liane springen. Der hängt in den Palmen und klaut die Bananen. Oh nein, jetzt hat er auch noch den Avocado Baum entdeckt und erntet dort die Früchte runter. Und dann noch der Spruch: „Du fährst alleine nach Hause, den Rucksack voller Avocados und ich liegt in Funchal im Spital im Gipsbett.“


Vollmond über Madeira

Sonntag, 27. Januar 2013

Highway to hell…

Madeira, 27.01.13




Heute stand die Ostküste Madeiras auf dem Programm. Unter anderem sind wir nach Santa Cruz gefahren. Der Ort liegt gleich nehmen dem Flughafen. Als wir so schön an der Strandpromenade lang spazierten, stockte uns fast der Atem. Auf einmal fliegt direkt über unseren Köpfen ein großer Airbus drüber. Am Ende sah es fast so aus, als hätte er gleich die Bäume mitgenommen.


Camacha

Landung

Mercado Santa Cruz


Weiter ging die Fahrt wieder an den Hängen entlang. Bergauf, bergab. Unser Fazit: Miete dir nie ein Auto auf Madeira. Wir hätten in der nächsten Kurve fast unser Leben gelassen. Die scharfe Kurve bergab kam. Wir hatten höchstens 35 km/h drauf (bloß gut), bremsten und nichts passierte. Erst nach dem kräftigen Ziehen der Handbremse haben wir es geschafft an Geschwindigkeit zu verlieren und um die Kurve zu schlittern. Der Reifen hat Profil. Das haben wir nachher nochmal überprüft. Es war wohl sicher eine Ölspur, die uns am stoppen gehindert hat. Oh man. Glück gehabt. Ich dachte schon mein Albtraum wird wahr, von dem ich gestern geträumt habe.  Oder war es eine Vision?






Zumindest haben wir den restlichen Tag gut überstanden. Eine kleine Sache war noch: Nicht schön, wenn an einem Stoppschild nicht die Abbiegespur gesperrt wird und wir in eine Einbahnstraße rückwärts reinfahren. Es kam uns aber jemand langsam entgegen und hat uns gezeigt wer hier wo fahren darf.


der Kater gehört ins Gefängnis
Pico de Facho


Unterwegs waren wir an vielen Küstenorten. Die Brandung war hier sehr stürmisch. An einer Stelle haben wir den Atlantik, in eine Bucht, getestet. Weiter hinaus hätte man nicht schwimmen dürfen sonst hätte man sich wahrscheinlich zerdrückt an den Felsen wieder gefunden. Die Wucht des Meeres war enorm.







Wir fuhren immer an der Küste entlang bis wir an der Ponta de São Lourenço waren. Hier sah es aus wie in Island. Schroffe Felsen ragten aus dem Meer. Die Landschaft war karg und nur mit Flechten und Moosen bedeckt. Wahnsinnige Aussichten auf den Atlantik eröffneten sich.









Jetzt chillen wir bei 20 Grad in unserem Garten auf Liegestühlen. Hier wird es immerhin erst gegen 19 Uhr dunkel. Wir sind in großer Erwartung auf den morgigen Tag: Es geht per Speedboot aufs Meer zu den Walen und Delphinen.

Samstag, 26. Januar 2013

Kann mal jemand die Nebelmaschine ausmachen?

Madeira, 26.01.13




Nach unserem alltäglichen Klippen Frühstück wollten wir uns auf unsere nächste Tour machen. Und was sehen wir da? Unsere schicke Einfahrt hat zwei riesige Ölflecke. Bedeutet dass etwa wir müssen unser Auto erneut wegen Fahruntüchtigkeit zur Mietstation schaffen? Die Brühe lief oben aus dem Einfüllstutzen und bloß gut nicht aus der Ölwanne. Der Pegel war ok und so haben wir aus Geiz (wegen des vollen Tanks) beschlossen weiter zufahren.
Und alles ging gut. Unser Renault steht vorschriftsmäßig geparkt vor der diesmal Einfahrt, um die Schräglage vorm Haus zu vermeiden.

 



Heute ging die Fahrt 60km nach Norden. Durch tiefe Schluchten und grandiose Aussichtspunkte. Das Wetter war klar und die Sicht hervorragend. Umso weiter wir nördlich kamen umso tiefer hangen die Wolken.








Schon bald hat man die Hand vor Augen, an der rauen Nordküste nicht mehr gesehen. Die Wellen tobten gegen die Felsen. Wir waren umhüllt von Bergen und Nebel. Ein schaurig, schöner Anblick aufs Meer.








Wir haben noch eine ganze Weile ausgehalten und dem schlechten Wetter getrotzt. Waren an den wenigen Stellen der Nordhälfte, die einen schwarzen Sandstrand hatten, mit den Füßen im Wasser und immer wieder fasziniert, wie unterschiedlich und vielfältig Madeira ist.


Porto Moniz








Nach dem wir wieder oberhalb 200m Höhe gefahren sind und jeder Aussichtspunkt in einer dicken, nassen Wolke versank, haben wir es dann gegen 14 Uhr aufgegeben und sind wir zurück Richtung Süden.






Unterwegs waren selbst Straßen gesperrt, weil die Hänge runter kamen. So und so muss man hier ziemlich aufpassen, keinen Felsbrocken auf den Kopf zu bekommen. Überall liegen Steine auf den Straßen. Durch die vielen Wasserläufe (Levadas) werden diese ständig nach unten gespült. Das Positive ist, dass man sich Quellwasser hier überall abfüllen kann. In fast jedem Ort gibt es dafür einen Wasserhahn.



Nachdem wir über den Berg waren erschien die Insel wieder im strahlenden Sonnenschein. Und was macht man mit so einem angebrochenen Nachmittag? Shoppen! So sind wir nach Funchal ins Forum Madeira gefahren. Dort mussten wir schmerzlich erkennen, dass wir wohl unsere Kalorienzufuhr senken sollten. Die Jeans, die wir anprobierten haben wir nicht mal über die Waden bekommen. Die haben aber auch komische Größen hier.

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